Sozialservice-Gesellschaft des BRK

  • Der Gesundheitszustand entscheidet über die Wohnform im Alter

    Kann ich mir eine ambulante Pflege überhaupt leisten?
    Birgit Thiele: Der Gesetzgeber sieht vor, dass ambulante Pflege vor stationärer Pflege geht. Daher ist es kostengünstiger, sich in der eigenen Häuslichkeit ambulant pflegen zu lassen. Dies trifft besonders auf Menschen mit der Pflegestufe eins zu. Je nach Pflegestufe werden die Kosten bis zu folgenden monatlichen Höchstbeträgen übernommen: 450 Euro (Pflegestufe 1), 1.100 Euro (Pflegestufe 2) und 1.550 Euro (Pflegestufe 3). Interessant ist ambulante Pflege seit der Einführung des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes im Januar 2013 für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz. Für sie gelten erhöhte Pflegesätze. Neben den Leistungen nach §45b haben Versicherte Anspruch auf verbesserte Leistungen:
    Ohne Pflegestufe: Sachleistung 225 Euro, Pflegegeld 120 Euro;
    Pflegestufe 1: Sachleistung 665 Euro, Pflegegeld 305 Euro;
    Pflegestufe 2: Sachleistung 1250 Euro, Pflegegeld 525 Euro.

    Was bezahlen die Krankenkassen?
    Birgit Thiele: In der ambulanten Pflege wird unterschieden zwischen Leistungen der Krankenkasse (SGB V) und Leistungen der Pflegekasse (SGB IX). Die Krankenkasse übernimmt medizinische Leistungen, die von den Ärzten verordnet und vom Pflegedienst ausgeführt werden. Etwa Medikamentengabe, Injektionen oder Anlegen und Wechseln von Verbänden. Die Verordnung muss binnen drei Tagen bei der Krankenkasse zur Genehmigung eingereicht werden. Die Pflegekasse übernimmt im Rahmen der Pflegestufe Leistungen wie Hilfe bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken, bei der Ausscheidung und bei der Bewegung.

    Wann hat man das „richtige“ Alter für ein Seniorenheim?

    Markus Hirt: Der Entschluss, sich nach einem Seniorenwohnen umzuschauen, hängt nicht vom Alter ab, sondern vom Gesundheitszustand. Wer nicht mehr alleine zuhause leben kann oder will, der sollte sich einen Platz suchen. Mancher baut bereits mit 70 Jahren körperlich oder geistig ab, andere viel später. Ein guter Zeitpunkt, sich nach einem Wohnplatz umzuschauen ist, wenn Isolation droht, weil die Kinder weggezogen sind oder der Partner gestorben ist.

    Wie finde ich heraus, welche Wohnform für mich die richtige ist?
    Markus Hirt: Das kommt auch auf den Gesundheitszustand an. Wer fit ist und eine Ersatzfamilie sucht, kann in eine Wohngruppe für Senioren ziehen. Wer geistige oder körperliche Probleme hat, für den ist die vollstationäre Pflege besser geeignet. Sinn macht es auf jeden Fall im Wohnbereich anzufangen und dann in den Pflegebereich zu wechseln, wenn es Zeit dafür ist. Dann gewöhnt man sich an das Umfeld, kann Kontakte mit anderen Bewohnern pflegen.

    Was darf ich mir unter beschützenden und betreuenden Wohngruppen vorstellen?
    Markus Hirt: Im Betreuten Seniorenwohnen leben vorwiegend Menschen mit starker Demenz. Für sie ist mehr Personal im Einsatz als in der „normalen“ stationären Pflege. Auch ist die Tagesstruktur an die Bedürfnisse der Dementen angepasst. Wir binden sie in einen alltäglichen Ablauf ein, weil sie oft körperlich sehr agil sind: Wir backen Kuchen mit ihnen oder bieten Mal- und Gymnastikstunden an.

    Gibt es aktuelle Trends im Bereich Wohnen und Pflege im Alter?
    Markus Hirt: Propagiert wird ein Trend zu kleineren Wohneinheiten. Doch der bringt das Problem mit sich, dass dafür verhältnismäßig viel Personal vorgehalten werden muss. Was nicht immer gelingt. Ansonsten hat sich in der Seniorenpflege in den vergangenen zehn Jahren viel verändert. Bewohner und Pflegepersonal leben und arbeiten heute Hand in Hand. Beispielsweise gab es früher einen Speiseplan, der vom Personal festgelegt wurde. Heute gibt es ein Küchengremium, in dem die Bewohner mitgestalten können, was auf den Tisch kommt.

    INFO: Sozialservice-Gesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes GmbH, Hauptverwaltung, Hofmannstraße 54, 81379 München, Tel: 089/613 04 70, www.seniorenwohnen.brk.de

    Fotos: Sozialservice-Gesellschaft BRK