Der Mensch braucht Bewegung

Der Mensch braucht Bewegung


Menschen werden nicht krank, weil sie älter werden, sondern weil sie sich nicht genug bewegen, so das Credo von Prof. Dr. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Instituts für Sportmedizin und Sportkardiologie der TU München. Die Erkenntnis ist nicht neu, wurde aber jetzt durch ein Pilotprojekt der TUM-Studie „bestform. Sport kennt kein Alter“ untermauert. Durch das Gerätetraining von 2 x 45 Minuten je Woche konnten 75- bis 104-jährige Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ihre Muskelkraft deutlich verbessern und das Sturzrisiko verringern. Sie berichten auch über seelische Verbesserungen. Nun soll eine großangelegte wissenschaftliche Studie mit rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Ergebnis der Pilotstudie wissenschaftlich belegen. Der Erhalt von Mobilität und Selbständigkeit sind wesentlich für ein gelungenes Altern. Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit können damit hin-ausgezögert werden. Prof. Dr. Halle bezeichnet die Muskeln als Motor des Lebens: Warum ist das so? Körperliches Training fördert die Leistungsfähigkeit und die psychische Stabilität. Bewegung verbessert das Wohlbefinden und senkt das Risiko für chronische Erkrankungen. Muskelabbau betrifft nicht nur Senioren. Bereits ab dem 30. Lebensjahr baut der Mensch etwa ein Prozent der Muskeln pro Jahr ab, wenn er nicht regelmäßig körperlich aktiv ist. Folglich ist bei 80-Jährigen nur noch die Hälfte der einstigen Muskelmasse vorhanden.

Ältere Menschen neigen deshalb dazu, zu stürzen, da sich auch das Gleichgewichtsgefühl, die Koordination des Bewegungsapparats, verschlechtert hat. Knochenbrüche sind oftmals, auch durch eine fortgeschrittene Osteoporose bedingt, die Folge. Eine Spirale nach unten beginnt: Abbau der Muskulatur, Sturz, Knochenbruch, weiterer Abbau der Muskulatur. Um diese Spirale zu vermeiden ist ein gezieltes, regelmäßiges Kraft-/Ausdauertraining mit Elementen der Koordination unverzichtbar, umso mehr, je älter wir werden. Es stärkt die großen Muskelgruppen der Beine und des Oberkörpers, verbessert die tiefen Muskelgruppen des Rückens und die Beckenmuskulatur, verhindert damit chronische Rückenschmerzen, bewirkt eine bessere Koordination beim Gehen und reduziert die Tendenz zum Stolpern und Stürzen. Wird Muskulatur nicht trainiert, werden Fasern mit Fett durchsetzt und es drohen Erkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Herzinfarkt und Schlaganfall. In trainierter Muskulatur werden Hormone gebildet, die das Herz, das Gehirn, die Leber und den ganzen Stoffwechsel erreichen. Diese Vorgänge lassen sich auch durch tägliches, zügiges Spazierengehen erreichen. Fortgeschrittene Hüft- und Kniearthrosen erfordern Alternativen, d. h. ein Heimtrainer kann eine Alternative sein, gekoppelt mit einer regelmäßigen Hockergymnastik, die auch zu Hause umgesetzt werden kann. Das „bestform“-Programm von Prof. Dr. Halle wird aktuell in ausgewählten Senioreneinrichtungen durchgeführt. Das Ziel der von der Beisheim Stiftung geförderten Studie ist, ein ganzheitliches, universell einsetzbares Bewegungsprogramm für Senioreneinrichtungen in Deutschland zu entwickeln. Über die Ergebnisse werden wir wieder berichten.
INFO: Zentrum für Prävention und Sportmedizin, www.sport.mri.tum.de/bestform

Fotos: Nicki Schaefer, www.sport.mri.tum.de, MediCenter Klinikum Bogenhausen