Schweiz entdecken

  • Großer Alpentraum im kleinen Land

    Schon kurze Touren wecken einzigartige Gefühle. Zu dieser Erkenntnis kam bereits Mark Twain beim Sonnenaufgang auf der Rigi über dem Vierwaldstättersee.
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    Wer die Sprache der Berge versteht, der kommt immer wieder zurück. Selbst die Japaner werden schon wissen, warum sie um die halbe Erde fliegen, um dort oben zu stehen am Jungfraujoch, mit 3475 Meter der höchste Bergbahnhof der Welt und mit unverbautem Viertausenderblick, oder um in Scharen hoch über Maienfeld in der Ostschweiz die Alpwiesen abzulaufen auf der Suche nach Heidis Haus. Aber sie sehen meist nur die – zugegeben – faszinierenden, jedoch allgegenwärtigen Postkarten-Highlights und verpassen das Schönste: die Ruhe und auch die Herausforderung der Berge zwischen Appenzell und Zermatt. Zum Beispiel eine Wanderung zu den Alpen in den Alpen. Das kleine Wortspiel sei erlaubt, nennt man doch die bewirtschafteten Bergwiesen in der Schweiz nicht Alm, sondern Alp. Auf der Schwägalp am Säntis etwa sömmern jedes Jahr für zehn bis zwölf Wochen rund 600 Kühe und Ziegen, in der ganzen Schweiz sind es eine viertel Million. Nach Schweiß treibendem Aufstieg belohnt ein würziger Bergkäse und ein kühles Glas Milch für die Anstrengung. Es kann natürlich auch Kaffee und Kuchen sein. J Die Senner bewirten gerne Besucher, auch um sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Bergwandern – vielerorts auch schon international als Hiking oder Trekking bezeichnet – kennt in der Schweiz keine Grenzen, mehr als 50.000 Kilometer Wanderwege warten auf stramme Waden. Alle Schwierigkeitsgrade sind vertreten, angefangen beim kurzen Spazierweg von der Bergstation der Bergbahn aus. Selbst eine kleine Tour vermag große Gefühle zu wecken: „Die Welt zu unseren Füßen hat sich in ein reiches, sanftes Paradies verwandelt. Wir finden keine Worte und schlürfen dieses Wunder in trunkener Ekstase in uns hinein.“ Zu dieser Euphorie ließ sich Mark Twain 1880 beim Sonnenaufgang auf der Rigi hoch über dem Vierwaldstättersee hinreißen. Aber auch die Ausdauersportler werden großzügig bedient, zum Beispiel bei der Tour Monte Rosa: 160 mehr oder weniger steile Kilometer zu Fuß in zehn Tagen, stets in der faszinierenden Kulisse mehrerer Viertausender. In den Schweizer Bergen kann man sogar ein UNESCO-Weltnaturerbe überschreiten – den Aletschgletscher in einer mehrstündigen Tour von Riederalp nach Belalp. Oder muss etwa der Puls beim Bergabenteuer abrupt in die Höhe schnellen? Derjenige sollte sich am besten gleich im Tessin von der Verzasca-Staumauer stürzen, natürlich nur wie James Bond („Goldeneye“) am Bungeeseil.

    Superlative der Schweizer Berge

    • Die steilste Postbusstrecke Europas mit bis zu 28 Prozent Steigung verläuft in vielen Haarnadelkurven im Kiental.
    • Die höchste Seilbahnstation der Welt liegt auf 3820 Meter am Kleinen Matterhorn im Kanton Wallis.
    • Der höchste Wasserfall Europas, der Mürrenbachfall, stürzt bei Lauterbrunnen über 5 Kaskaden 750 Meter in die Tiefe.
    • Die höchste Staumauer Europas mit 285 Meter staut den See von Grand Dixence (Wallis) in einer Höhe von 2364 Meter.
    • Der höchstgelegene Weinberg Europas lässt bei Visp zwischen 650 und 1100 Meter über dem Meer den aromatischen Heida-Wein gedeihen.

    INFO: Schweiz Tourismus, Tel. 00800/100 200 29 (gratis), www.mySwitzerland.com

    Fotos: /swiss-image.ch/Philipp Giegel, swiss-image.ch/Rob Lewis