MÜNCHENSTIFT – Interview

  • Pflege neu definiert

    Monika Pfaff von der MÜNCHENSTIFT-Fachstelle für pflegende Angehörige erklärt im Interview wesentliche Details des neuen Pflegestärkungsgesetzes.

    Das bisherige Pflegesystem wird der jetzigen Situation nicht mehr gerecht. Dem neuen Pflegestärkungsgesetz liegt daher ein umfassenderes Pflegeverständnis zugrunde. Zukünftig werden bei der Bewertung, wie viel Unterstützung ein pflegebedürftiger Mensch benötigt, neben den körperlichen auch psychische und kognitive Einschränkungen der Selbstständigkeit berücksichtigt. Dadurch erhalten mehr Menschen Leistungen der Pflegeversicherung. Zudem wird der Grundsatz „ambulant vor stationär“ gestärkt, um noch mehr Pflegebedürftige zu Hause versorgen zu können.

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    Wo setzt das neue Pflegestärkungsgesetz an?
    Bisher wurde die Pflegebedürftigkeit nur über die benötigte Hilfe bei der Körperpflege, Mobilität und Ernährung definiert. Je nach zeitlichem Aufwand erfolgte die Zuweisung einer der drei Pflegestufen. Das neue Gesetz beinhaltet einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren: Die bisherigen drei Pflegestufen werden durch fünf Pflegegrade ersetzt. Dadurch erhalten alle Pflegebedürftigen Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen oder psychischen Einschränkungen betroffen sind. Damit können die Beeinträchtigungen und die Fähigkeiten eines Pflegedürftigen präziser erfasst und seine individuelle Pflegesituation mithilfe der fünf Pflegegrade exakter abgebildet werden.

    Wie erfolgt künftig die Einstufung?
    Die Leistungen der Pflegeversicherung sind dafür gedacht, dass ein Mensch möglichst lange im eigenen Zuhause bleiben kann. Entsprechend wird eine Pflegebedürftigkeit nach dem Grad der Selbstständigkeit eines Menschen beurteilt, ob und in welchem Umfang er ohne Unterstützung sein Leben führen kann. Dabei werden sechs Lebensbereiche zugrunde gelegt: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Umgang mit Erkrankungen und Belastungen sowie soziale Kontakte. Der Gutachter vergibt in jedem der sechs Bereiche je nach Stärke der Beeinträchtigung Punkte. Die Gesamtpunktzahl entscheidet dann über den Pflegegrad.


    Müssen alle, die bereits Leistungen beziehen, einen neuen Antrag stellen?
    Alle Pflegebedürftigen, die bis zum 31. Dezember 2016 Leistungen der Pflegeversicherung bezogen haben, werden automatisch in das neue System der Pflegegrade übergeleitet. Dabei machen Pflegebedürftige ohne eingeschränkte Alltagskompetenz einen einfachen Stufensprung, Pflegebedürftige mit eingeschränkter Alltagskompetenz einen doppelten Stufensprung. So wird z.B. aus Pflegestufe 1 ohne Einschränkungen Pflegegrad 2 und aus Pflegestufe 1 mit Einschränkungen Pflegegrad 3. Dies gilt analog für die bisherigen Pflegestufen 2 und 3.

    Was ändert sich in der vollstationären Pflege?
    Auch für die Pflege in einem Heim gibt es mehr Geld, außer in Pflegestufe 1 und 2 ohne Demenz. Pflegebedürftige mit dieser Einstufung haben jedoch Bestandsschutz, sie bekommen weiterhin die gewohnten Leistungen. Erst bei einem Höherstufungsantrag wird nach den neuen Regeln eingestuft.

    INFO: MÜNCHENSTIFT GmbH, Fachstelle für pflegende Angehörige, Tel. 089/620 20-317 und -308, www.muenchenstift.de

    Fotos: MÜNCHENSTIFT