Geruchssinn

Gut Riechen

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Mit allen Sinnen genießen, das geht nur, wenn auch alle Sinne gesund sind. Dann reagieren die einzelnen Systeme harmonisch in einem Netzwerk miteinander auf Reize von außen. Erkrankt einer der fünf Sinne, ist die Wahrnehmung des Menschen oft sehr eingeschränkt. Die Frühlingsluft ist voller Düfte – nicht für den, der nicht riechen kann. Oder die Weihnachtszeit, wenn Plätzchen im Ofen backen, Glühwein gekocht wird oder geschmackvolles Essen auf dem Herd steht. Da Gerüche auch viel mit Gefühlen zu tun haben, wird die Welt ärmer ohne sie. Aber der Geruchssinn hat auch eine schützende Funktion. Verdorbene Lebensmittel erkennt man am Geruch, ausströmendes Gas oder einen Brand ebenso. Ohne Geruchssinn können auch Körpergerüche nicht wahrgenommen werden, weder der eigene noch der von anderen Menschen. Die Folge kann ein Waschzwang sein, da die eigene Kontrolle nicht funktioniert.
Aber wer nicht oder wenig riechen kann, dem fehlt auch das eigentliche Aroma einer Speise, denn das komplexe Reizmuster entsteht im Zusammenspiel von Mund und Nase. Störungen der Geruchsfähigkeit sind viel weiter verbreitet als bislang angenommen. Neue Studien belegen: Über fünf Prozent der Menschen können gar nichts riechen. Der Verlust oder die deutliche Verringerung des Geruchssinns kann ein Warnsignal für andere Krankheiten sein. Häufig ist eine Viruserkrankung der Auslöser, eine Grippe zum Beispiel. Aber auch Schädelverletzungen, Chemikalien oder Medikamente können den Sinn stören, genauso wie Polypen in der Nase oder Nebenhöhlenerkrankungen. Gestörte Hormone oder Zahnerkrankungen und auch eine Strahlentherapie bei Tumoren im Hals oder Kopf können weitere Auslöser sein. Eine Geruchs- oder Geschmacksstörung – jährlich erkranken daran etwa 50.000 Menschen in Deutschland – sollte immer ernst genommen werden. Sie kann ein Zeichen einer anderen Krankheit sein, zum Beispiel für Bluthochdruck, Mangel- oder Fehlernährung, aber auch für Diabetes, die Parkinsonsche Erkrankung oder die Alzheimer-Krankheit. Deshalb ist eine Selbstmedikation nur sehr eingeschränkt zu empfehlen. In einigen Fällen stellt sich der Geruchssinn von allein wieder ein. Einigen Anosmatikern hilft auch eine Operation. Ärzte entfernen die Polypen oder rücken die Nasenscheidewände wieder gerade. Ist eine chronische Entzündung die Ursache, setzen Mediziner oft Kortikosteroide oder Antibiotika ein. Dies sollte nur eine kurzfristige Behandlung sein, da diese Medikamente langfristig Nebenwirkungen verursachen können. Wer schwach oder gar nichts mehr riecht, kann mit einem gezielten Riechtraining nachhelfen. Während mehrerer Monate schnuppert der Betroffene morgens und abends an vier verschiedenen Riechstiften. Studien haben ergeben, dass das langfristig den Geruchssinn verbessert und bei einigen Patienten das Riechvermögen teilweise wiederherstellen kann. Auch homöopathische Arzneien haben sich bei Geruchs- und Geschmacksstörungen oder Geruchsirritationen bei eingebildeten unangenehmen Gerüchen bewährt, die durch eine homöopathische Anamnese (Gespräch) und mögliche Untersuchung herausgefunden werden können.

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